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„Mittelstand muss innovativer werden“


Interview mit Boris Karkowski, Chefredakteur von Markt & Mittelstand

Die Roadshow „Hart am Wind“ ist dieses Jahr fulminant gestartet: mit vollbesetzten Audi-Autohäusern in Frankfurt, Hamburg, Berlin und Leipzig. Moderator der Veranstaltung ist der Journalist Boris Karkowski. Als Chefredakteur von „Markt und Mittelstand“ kennt er die Herausforderungen kleiner und mittlerer Unternehmen genau. Wir haben ihn um ein erstes Resümee der Roadshow gebeten und gefragt: Wie innovativ ist der Mittelstand?

 

Herr Karkowski, nach vier Stationen „Hart am Wind“ ist es Zeit für eine Zwischenbilanz: Wie sind Ihre persönlichen Eindrücke als Moderator?

Diese ersten Stationen waren sehr spannend. Das Konzept „Wirtschaft tritt auf Spitzensport“ ist voll aufgegangen. Besonders beeindruckt hat mich die Segelnationalmannschaft. Wir haben mit den Sportlern einen Blick hinter die Kulissen geworfen und erfahren, was Profisport heute bedeutet: Nämlich nicht nur konstant Spitzenleistungen zu erbringen, sondern auch ein gewaltiges Maß an Management- und Logistikaufgaben zu meistern – wie ein mittelständisches Unternehmen eben.

 

Manager und Spitzensportler haben also eine Menge gemeinsam?

Natürlich. Beide tragen das Wettbewerbsgen in sich. Umso erstaunlicher finde ich, wie wenig das Thema Erfolgsmessung von Mittelständlern bislang tatsächlich in der Praxis gelebt wird. Im Sport ist das ganz normal, man misst seine Zeiten, trägt sie in eine Tabelle ein und weiß genau, wo man steht. Unternehmer wissen auch genau, wer ihre Konkurrenten und welche Produkte und Angebote besser oder schlechter sind. Aber für eine genauere Verortung – beispielsweise bei Kennzahlen oder im Prozessmanagement – fehlt bislang die Datengrundlage. Dadurch kennen die meisten Unternehmer im Mittelstand nur ihre ungefähre Position. Da gibt es noch Luft nach oben.

 

Der Mittelstand gilt immer als „Motor“ der deutschen Wirtschaft. Muss er innovativer werden?

Ja, unbedingt. Ich staune zwar immer wieder, wie innovativ der Mittelstand ist, bei den begrenzten Ressourcen, die ihm zur Verfügung stehen. Doch er kann es sich auch schlichtweg nicht leisten, nicht innovativ zu sein. In Zukunft es wird noch härter werden. Mittelständler konkurrieren heute nicht mehr nur innerhalb ihrer Region, sondern mit Firmen in ganz Deutschland und sogar auf globaler Ebene. Aufstrebende Industrienationen werden stärker. China zum Beispiel wird immer weniger nur die „Werkbank des Westens“ sein. Das Land investiert massiv in Forschung und Entwicklung. Wer gegen solche Konkurrenz ankommen will, muss sich immer wieder Neues einfallen lassen.

 

Aber ist das jetzt in der Eurokrise nicht enorm schwer?

Die Eurokrise ist in der Tat eine Herausforderung, gerade für den kleineren Mittelstand. Wir sitzen hier nicht auf der Insel der Glückseligen: Die meisten Unternehmen machen heute Geschäfte innerhalb Europas. Ich rate dringend allen Unternehmen, die es sich finanziell und personell leisten können, auch Märkte außerhalb Europas zu prüfen. Man muss nicht gleich die Produktion nach Indonesien verlagern. Aber wagen Sie einen Blick über den Tellerrand. Betreiben Sie Networking. Und sorgen Sie dafür, dass Ihr Unternehmen einen professionellen englischsprachigen Webauftritt hat, der gut verschlagwortet ist. Selbst daran hapert es ja immer wieder.

 

Mit dem Sailing Team Germany haben wir auf der Roadshow ein mittelständisches Vorzeigeunternehmen kennengelernt. Können Industrieunternehmen von ihm lernen?

Gerade was den Einsatz innovativer Technologien angeht, sehr viel. Die Segler haben gezeigt, dass es zum Erfolg beides braucht: Erfahrung – das berühmte Bauchgefühl – und eine vernünftige Datenbasis. Ich fand es sehr inspirierend, wie das Sailing Team beides vereint. Auch im Unternehmen zählt das Bauchgefühl des Chefs, aber eben auch verlässliche Fakten, die er allein gar nicht zur Verfügung haben kann. Das Sailing Team nutzt die Erfahrung von ganz vielen Seglern und Informationen aus Revieren und packt dieses Wissen zusammen. Davon hat der Einzelne etwas und das gesamte Team. Und trotzdem funktioniert der Wettbewerb. Ein sehr beeindruckendes Beispiel, das hoffentlich Schule macht.

 

Herr Karkowski, vielen Dank für das Gespräch.